Konzepte, Ziele

Grundidee und Ziele

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Neben der Grundidee, preiswerten Wohnraum durch Erhalt und Umnutzung von bereits vorhandenem Gebäudebestand zu schaffen, entwickelte die Initiative auch weitergehende Vorstellungen, welche sich in folgende Teilziele auffächern lassen und teilweise in Satzung (S.U.S.I. e.V.) und Gesellschaftervertrag (S.U.S.I. GmbH) Eingang gefunden haben:

  1. Schaffung von bedarfsgerechtem Wohnraum für geringer Verdienende
  2. Schaffung von Freiräumen und Lebensqualität
  3. Umweltschutz und Schaffung von baubiologisch gesundem Wohnraum
  4. Auflösung des traditionellen Machtverhältnisses Mieter / Vermieter
  5. Integration unterschiedlicher Gesellschaftsgruppen
  6. Vereinigung von Wohn-, Arbeits-, Kultur- und Lebensraum
  7. Schaffung von Arbeitsplätzen

Organisation

Die Satzung und die Geschäftsordnung sind darauf ausgelegt, dass möglichst viel Freiraum in basisdemokratischen Organisationsstrukturen geschaffen und gewährleistet wird. Die Mitgliederversammlung des Vereins ist in unseren selbstorganisierten Strukturen die höchste Instanz. Mitglieder des Vorstandes, der Geschäftsführung und Interessierte tagen einmal wöchentlich in einem projektöffentlichen Plenum, der sogenannten Projektkoordination. Auch dort sind alle Mitglieder des SUSI e.V. gleich stimmberechtigt. Konsensorientierte Entscheidungsprozesse in den Gremien und Arbeitsgruppen sind erwünscht und die Regel.

Sicher ist sicher

Leider wurden schon zu viele ähnlich strukturierte Projekte im Laufe der Zeit von den (inzwischen meist akademischen oder sonst wie etablierten) BewohnerInnen einfach selbst günstig aufgekauft oder gewinnbringend verkauft und die ursprünglichen Ansprüche an das Projekt über Bord geworfen. Mit der Unterstützung vieler Menschen aufgebaute Freiräume mit basisdemokratischen Strukturen wurden so beeinträchtigt oder sogar zerstört. Zur Absicherung ist das Mietshäuser-Syndikat Zweite Gesellschafterin der SUSI GmbH und hat Stimmrecht, wenn Wohnungen, Häuser oder Grundstücke verkauft werden sollen, was gemäß des Gesellschaftsvertrages der GmbH Einstimmigkeit der GesellschafterInnen erfordert. Zwar ist es durch Erbbaurecht, Belegungsbindungen und Förderkonditionen fast unmöglich gemacht worden, dass SUSI-Mitglieder Wohnungen oder Häuser gewinnbringend verkaufen oder sich selbst günstig bedienen, aber sicher ist sicher.

Das Mietshäuser-Syndikat ist ein Solidarzusammenschluss im Mietshausbereich und fungiert als eine Art Dachverband unterschiedlicher selbstverwalteter Projekte. Es hilft im Anfangsstadium durch Projektberatung, Projektentwicklung und Anschubfinanzierung. Voraussetzung sind sozial verträgliche Mieten. Das Syndikat mischt sich nicht in das Tagesgeschäft ein, sondern übt lediglich eine Verkaufssperre für den Fall aus, wenn die Projektbeteiligten auf die Idee kämen, Wohnungen, Gebäude, Grundstück oder auch Teile davon auf dem Markt zu veräussern. Es ist ein Bündnis zum Schutz vor Spekulation. Alle Syndikatsprojekte zahlen in einen Solidarfond ein. Daraus finanziert sich zum einen das Syndikat selbst, zum anderen wird das Geld für die „Anschubfinanzierung“ neuer Initiativen verwendet.

Finanzen

Generell gilt die SUSI-Formel:

Start-/Eigenkapital = Konzept + Muskelhypothek/Eigenleistung + private Direktkredite.

Das Startkapital waren in erster Linie eine gute Idee zur richtigen Zeit, ein in sich schlüssiges und innovatives Konzept und das sehr intensive, geschickte und ausdauernde Engagement der anfangs wenigen InitiatorInnen. Dennoch: Wer bauen will, braucht bekanntlich Geld bzw. Eigenkapital. Rund 360.000.- EUR (700.000.- DM bzw. ca. 1/12tel der geschätzten Gesamtkosten) wären damals nach gängiger Banker-Faustregel als Eigenleistung in Form von tatsächlichem Eigenkapital erforderlich gewesen.

Zur Zwischenfinanzierung und als symbolisches Eigenkapital sammelte SUSI deshalb im Vorfeld der Projekt-Umsetzung Geld. Mit einer intensiven Kampagne 1992/93 kamen innerhalb von sechs Monaten rund eine Million DM in Form von zinsverbilligten Privatdarlehen zusammen. Die Slogans der Sammel-Kampagne lauteten u.a.: „Wer bauen will braucht Freunde!“ und „Wissen Sie was Ihr Geld gerade tut?“ Sie gelten übrigens noch heute! Der große Batzen kam über Zuschüsse und Fördermittel des Landes Baden-Württemberg und Bankkredite zusammen:

Muskelhypothek

Von Anfang an sollte aber nicht das Geld die Eintrittskarte ins Projekt sein. Vielmehr ging es um das ehrenamtliche Engagement der Einzelnen und die Lust, in größerer Gemeinschaft zu leben und zu arbeiten, in genossenschaftlichem Sinne zu handeln und Neues zu probieren.

Darüber hinaus wurden seit Anbeginn des Projektes Menschen in bestimmten sozialen Notlagen bei der Wohnraumvergabe berücksichtigt. Von den BewohnerInnen wird erwartet, dass sie 105 unentgeltliche Arbeitsstunden (sog. Muskelhypothek/Selbsthilfe) für SUSI-Projekte einbringen, anstatt finanzielle Einlagen zu leisten.

Beschäftigungsmodell und SUSI-Infrastruktur

Während der Umbauphase waren durchschnittlich 60, zeitweise bis zu 90 Menschen gleichzeitig beschäftigt, darunter auch einige wenige in Beschäftigungsmassnahmen, die durch Sozial- oder Arbeitsamt mitfinanziert wurden. Die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit lag bei 18-20 h pro Stelle. Heute, nach Abschluss der wesentlichen Bauaktivitäten, sind im Projekt noch ca. 15 Personen beschäftigt.

In und um SUSI herum entstand mit den Jahren eine ausgedehnte Infrastruktur und unterschiedliche Selbsthilfe-Projekte. So existiert mittlerweile eine komplette Büro-Infrastruktur, eine Hausmeisterei, ein Magazin, ein Werkzeugverleih, eine Holzwerkstatt und eine Metallwerkstatt. Die BewohnerInnen können die multifunktionalen Gemeinschaftsräume nutzen, u.a. das BewohnerInnen-Café und die Bibliothek im alten Knast und eine Kindertagesstätte. Organisiert wurden auch eine Krabbelgruppe, eine Nachbarschaftsküche, die Food-Coop, außerdem Fahrradwerkstatt, Töpferei, Siebdruck, Fotolabor und Kletterspeicher.